Caruana dreht auf, Kramnik dreht durch – Ein Bericht von Thomas Richter

Nisipeanu-Caruana (Dagobert Kohlmeyer, Turnierseite)

Nisipeanu-Caruana (Dagobert Kohlmeyer, Turnierseite)

 

So kann man die letzten drei Runden in Dortmund kurz und knapp zusammenfassen. Dritte Schlüsselfigur ist Nisipeanu, dessen Härtetest in den letzten beiden Runden gegen die im Titel erwähnten kam: gegen Kramnik entwischte er, gegen Caruana verlor er ziemlich glatt. Dabei hatte er Schwarz gegen Kramnik, und Weiss gegen Caruana – aber das passt zum Turnier insgesamt, auch wenn sich die Tendenz aus den ersten vier Runden nicht fortsetzte. Dann war da noch Wesley So, der sich in Runde 5-7 erheblich verbessern konnte. Sowie Georg Meier, der teilweise so weitermachte wie in der ersten Turnierhälfte – es gab noch „Mensch Meier Teil III“.

 

Am Ende stand es so: Caruana 5.5/7, So und Nisipeanu 4, Kramnik 3.5, Naiditsch und Nepomniachtchi 3, Hou Yifan und Meier 2.5. Auf das Titelbild (alle Fotos wiederum Turnierseite) kommen die Spieler, die im Turnier am meisten positiv überraschten – Nisipeanu generell, Caruana jedenfalls verglichen mit seinem Start (0,5/2). Damit ist schon klar, wie er in den weiteren Runden spielte – die ich nun zunächst zusammenfasse:

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Bilanz des 43. Sparkassen Chess-Meeting

 

Auch 2015, im Jahr des 140. Geburtstags des Schachsports in Dortmund, hat das Sparkassen Chess-Meeting wieder herausragenden Sport geboten! Insbesondere die Tatsache, dass viele der insgesamt 28 Partien mit den schwarzen Steinen gewonnen wurden, hat in der Fachwelt zu lebhaften Diskussionen geführt.

 

Am Eröffnungs-Bankett nahm mit Ole Bischof der Olympiasieger im Judo von 2008 und heutige Vize-Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes teil. In mehreren persönlichen Gesprächen unterstrich er den Stellenwert des Leistungssports Schach für den nationalen und internationalen Sport.

 

Dass erneut etwa 2.000 Schachfreunde das Großmeisterturnier im Orchesterzentrum sowie das Helmut-Kohls-Turnier und die drei „Open“ im Fritz-Henßler-Haus besucht haben, ist sehr erfreulich. Und das trotz der außergewöhnlich hohen Außen-Temperaturen.
Eindrucksvoll ist das erneut gestiegene weltweite Internet-Interesse an den “Live-Übertragungen“. An den sieben Spieltagen tummelten sich über 150.000 User mit Millionen Seiten-Zugriffen auf der Veranstalter-Homepage. Durch eine Internet-Kooperation mit mehreren internationalen Anbietern wie „Chessbase“ und „Chess 24“ (mit Live-Kommentar) und „Chess-International“ hat sich das Sparkassen Chess-Meeting zusätzlich ein noch größeres internationales Publikum erschlossen. Auch in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook entwickelt sich das Turnier positiv.

 

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Vor der Schlussrunde des Sparkassen Chess-Meetings liegt Fabiano Caruana (USA) allein mit 4,5 Punkten in Führung. Am sechsten Spieltag bezwang er die Chinesin Hou Yifan, während Liviu-Dieter Nisipeanu und Wladimir Kramnik (Russland) sich remis trennten. Der deutsche Nationalspieler liegt mit 4,0 Zählern einen halben Punkt hinter Caruana in Lauerstellung. Am letzten Spieltag treffen beide aufeinander, wobei der bislang ungeschlagene Nisipeanu die weißen Steine führt. Für genügend Spannung im NRW-Orchesterzentrum von Dortmund ist also gesorgt. Kramnik bleibt mit nunmehr 3,5 Punkten auf dem dritten Platz und kann nicht mehr in den Kampf um den Turniersieg eingreifen.

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Auch nach fünf Runden bleibt Liviu-Dieter Nisipeanu beim Sparkassen Chess-Meeting in Führung, aber nicht allein. Vorjahressieger Fabiano Caruana bezwang am Freitag Wladimir Kramnik mit Schwarz und hat jetzt wie der deutsche Nationalspieler 3,5 Punkte auf seinem Konto.
Caruanas Sieg war natürlich der Paukenschlag des Tages in Dortmund. In der Spitzenpartie wählte der Großmeister, der jetzt für die USA startet, Grünfeld-Indisch und gewann nach einem Versehen des Russen im Mittelspiel die Qualität. Danach geriet Kramnik in eine schwierige Stellung, die er am Ende nicht mehr verteidigen konnte. Caruana gab ihm keine Gelegenheit, das drohende Matt zu verhindern.

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Jenny Schnitter von Dokom 21 eröffnet die Runde
Zuvor hatten sich Nisipeanu und Georg Meier remis getrennt. In der Weiß-Partie besaß Liviu-Dieter zwar einen Mehrbauern, doch im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern gab es keine reale Möglichkeit zum Gewinn mehr.

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Am spielfreien Donnerstag gab es die traditionelle Autogrammstunde mit den Schachstars. Im Gebäude des Titelsponsors Sparkasse schrieben sie auf dem Poster des Chess-Meetings ihre Namen und signierten Schachbücher. Zu kurzen Gesprächen war auch Zeit. Es bildete sich ein lange Schlange von Schachfans, die sich freuten, ihre Vorbilder einmal hautnah zu treffen.

 

autogramm
Hou Yifan und Wesley So erhielten an diesem Nachmittag vom Schachverein Waltrop ihre vergoldeten Hände mit einer Figur darauf. Sie waren am ersten Ruhetag Ehrengäste des Klubs im Dortmunder Umland gewesen und berichteten dabei u.a. über ihre Schachkarriere und ihr Training. Auch dort mussten sie viele Autogramme geben. Als Dankeschön brachten die Schachfreunde aus Waltrop den beiden sympathischen Figurenkünstlerndie originalen Abdrücke ihrer Hände nach Dortmund mit.

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In der vierten Runde am Mittwoch verteidigte Liviu-Dieter Nisipeanu seine Spitzenposition, aber Wladimir Kramnik schloss zu ihm auf. Während sich der deutsche Großmeister remis von Jan Nepomniachtschi (Russland) trennte, bezwang Wladimir Kramnik Georg Meier in einer spannenden Partie und liegt wie Nisipeanu mit 3,0 Punkten an der Spitze. Dritter ist jetzt Fabiano Caruana (2,5), der heute Arkadij Naiditsch bezwang.
Nepomniachtschi - Nisipeanu

„Natürlich hätte ich vorher nicht gedacht, so einen Start zu erwischen und nach Halbzeit des Turniers immer noch mit an der Spitze des Feldes zu liegen. An den Gesamtsieg denke ich aber nicht, höchstens eine Minute am Tag“ scherzte Liviu-Dieter. „Ich habe einfach Spaß, gegen diese großen Gegner zu spielen. Es ist ein gutes Training für den FIDE-Weltcup im September.“ Nisipeanu ist als Einziger des Achterfeldes noch unbesiegt.

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Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe beim ersten Zug
Auch nach drei Runden des Sparkassen Chess-Meetings behauptet der deutsche Großmeister Liviu-Dieter Nisipeanu weiter die Führung. Nach einem Remis mit Hou Yifan (China) hat er nunmehr 2,5 Punkte auf seinem Konto. Die dreifache Weltmeisterin zeigte sich gut erholt von ihrer Niederlage gegen Wladimir Kramnik und wählte im Duell mit dem Spitzenreiter als Schwarze die Damenindische Verteidigung. Hou Yifan erarbeitete sich eine sehr gute Stellung und hätte im Mittelspiel mit 21…Dxb2 einen Bauern gewinnen können. Aus Sicherheitsgründen verzichtete sie aber darauf und strebte eine Vereinfachung des Spiels an, so dass Nisipeanu wenig später mit einem Dauerschach das Remis sicherstellen konnte. Hinterher analysierten beide ihre Partie im Pressezentrum, und Liviu-Dieter lobte das Spiel seiner Gegnerin. „Irgendwo habe ich falsch gespielt und stand danach gefährdet“, räumte Nisipeanu ein. „Ich suchte nach Gegenspiel, und in Zeitnot wählte meine Gegnerin dann die sichere Variante.“ Hou Yifan nahm die vielleicht verpasste Gewinnchance lächelnd zur Kenntnis, sie schien dennoch irgendwie zufrieden. „Es war ein interessantes Spiel, in dem ich immer unter dem Druck der Uhr spielte und mich dann lieber um die Sicherheit meines Königsflügels gekümmert habe.“ Yifans Anhänger können sich freuen, dass sie am Montag erst einmal in die Spur zurückgefunden hat.

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Zweite im Gesamtklassement mit je 2,0 Punkten sind Arkadij Naiditsch und Wladimir Kramnik. Der deutsche Großmeister bezwang Wesley So mit Schwarz. Es war bereits die zweite Niederlage des USA-Großmeisters im Turnier. In dem Damengambit ergab sich nach der Eröffnung eine komplizierte Stellung. „Mein Gegner spielte sehr schnell und hat den Bauernvorstoß 18…d4 sicher unterschätzt. Ich stehe danach recht gut, und nach weiteren ungenauen Zügen von Wesley konnte ich seinen König mit allen Figuren angreifen. Dabei gab es viele verschiedene Gewinnwege.“, sagte Arkadij. Der Sieg über den Top-Ten-Spieler brachte Naiditsch in der Tabelle ein schönes Stück nach vorn. Gemeinsam mit Kramnik wird er nun Nisipeanu jagen.

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Im russischen Duell zwischen Wladimir Kramnik und Jan Nepomniachtschi kam die Symmetrievariante der Englischen Partie aufs Brett. Kramnik hatte in der längsten Partie des Tages zwischenzeitlich einen Bauern mehr, aber sein Landsmann eroberte ihn zurück. Im Endspiel spielte Wladimir aber seine ganze Routine aus und zwang „Nepo“ nach 55 Zügen zur Aufgabe. „Mein neuer Tabellenstand gefällt mir schon besser“, lautete der lakonische Kommentar des Seriensiegers nach dem Spiel.

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Georg Meier spielte mit Weiß gegen Fabiano Caruana und war auf einem guten Weg, die Partie für sich zu entscheiden. Im Mittelspiel fand er aber u.a. eine gewinnträchtige Fortsetzung (38.Tf2) nicht, so dass Vorjahressieger Caruana kurz darauf mit seiner Dame und später noch mit dem Turm in die Stellung des deutschen Großmeisters eindringen konnte. Nach 51 Zügen gab der deutsche Großmeister auf.

Text und Fotos: D. Kohlmeyer

Wesley So quält Fabiano Caruana

 

Auch die zweite Runde des Sparkassen Chess-Meetings in Dortmund brachte am Sonntag wieder hochinteressante Partien. An der Spitze liegt überraschend Liviu-Dieter Nisipeanu, der mit 2,0 Punkten noch eine weiße Weste hat. Zuletzt besiegte er Arkadij Naiditsch mit den schwarzen Steinen und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. „Obwohl Arkadij sehr gut gespielt hat und im Mittelspiel prima stand, verlor er dann den Spielfaden. Wir waren beide in Zeitnot, und dann konnte ich den Spieß umdrehen“, sagte der glückliche Sieger.

 

Naiditsch – Nisipeanu

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45…Dxc3! Das Damenopfer entscheidet den Kampf.
46.Dxf5+ Kh8 47.Txc3 Te1+ 48.Lg1 Txg1+ 49.Kxg1 d1D+ 0-1

Die meiste Aufmerksamkeit erhielt aber das Duell zwischen Hou Yifan und Wladimir Kramnik. Es war die erste Begegnung der beiden dreifachen Weltmeister überhaupt.

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Arkadij Naiditsch schägt den Seriensieger von Dortmund

 

In Dortmund begann am Samstag das mit Spannung erwartete Sparkassen Chess-Meeting 2015. Es ist schon die 43. Auflage des stärksten Schachturniers in Deutschland. In diesem Jahr hatten die Organisatoren eine besonders gute Idee. Seit 1997, als die Ungarin Judit Polgar im Hauptturnier spielte, war keine Schachamazone mehr dabei. Umso größer ist die Freude, dass nun mit Hou Yifan die beste aktive Schachspielerin der Gegenwart das Turnier nicht nur schmückt, sondern den männlichen Kollegen auch einen beherzten Kampf liefern will.

 

Zu Beginn gab es auf der Bühne des NRW-Orchesterzentrums, wo wieder gespielt wird, traditionell zwei Ehrungen. Den Salomon-Elkan-Ehrenpreis erhielt im Jahr seines „runden“ Geburtstags der Dortmunder Schachverein 1875 für seine Verdienste um den Dortmunder Schachsport. Salomon Elkan war als bedeutender Schachpionier Wegbereiter, Mitbegründer und Präsident des ältesten Schachvereins in Westfalen. Der heutige Vorsitzende des DSV 1875, Klaus-Peter Werninghaus nahm aus den Händen von DSB-Präsident Herbert Bastian den diesjährigen Preis entgegen.

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Sparkassen Chess-Meeting mit Weltmeisterin Hou Yifan (China)

 

Hou Yifan

Hou Yifan

Das 43. Sparkassen Chess-Meeting, das vom 27. 6. – 5. 7. 2015 im Orchesterzentrum NRW, Brückstraße 51, stattfindet, wird auch im Zeichen des 140. Geburtstages des Schachsports in Dortmund stehen.
Der Hintergrund: Vor genau 140 Jahren wurde mit dem „Dortmunder Schachverein 1875“ der erste heute noch existierende Schachclub der westfälischen Metropole gegründet. Am 16. November 1875 hoben ihn einige Schachpioniere, unter ihnen der jüdische Schneidermeister Salomon Elkan, im Restaurant Ritzefeld am „Alten Markt“ aus der Taufe. Salomon Elkan, der genau dort wohnhaft war, wo heute das Orchesterzentrum steht, war einer der Vereins-Präsidenten, der erste Ehrenpräsident und ein gefragter Turnier-Organisator. Wegen der eindrucksvollen örtlichen Duplizität steht auch das diesjährige Großmeisterturnier wieder unter dem Motto

 

„Chess is coming home“!

 

Mit seinen beiden jährlich vergebenen Preisen schlägt das Sparkassen Chess-Meeting einen Bogen von der Historie zur Gegenwart: Den Salomon-Elkan-Preis erhält der im Jahr seines „runden“ Geburtstags der Dortmunder Schachverein 1875 für seine Verdienste um den Dortmunder Schachsport, den Ferdinand-Fabra-Nachwuchspreis der gerade erst 17 Jahre alt gewordene Spitzenspieler des Bundesligisten SC Hansa Dortmund, Alexander Donchenko. Er ist der drittjüngste deutsche Groß-meister der Schachgeschichte. Grund genug, ihn mit dem mit 500 • dotierten Preis zu ehren. Gemeinsam mit den „1875ern“ wird das OK des Sparkassen Chess-Meetings am 19. September deren Jubiläums-turnier im Dortmunder Rathaus ausrichten. Es wird von 2015 an die Bezeichnung „Salomon-Elkan-Turnier“ tragen und soll damit kontinuierlich an den bedeutenden Dortmunder Schachpionier erinnern.
Die Ausstellung „Die erstaunliche Familie Elkan“, wird während des Chess-Meetings im Fritz-Henßler-Haus, wo diesmal die drei „Open“ sowie das Helmut-Kohls-Turnier stattfinden werden, zu sehen sein … Mehr

 


+++ Ergebnisse Runde 7: Leko-Caruana 1/2, Ponomarjow-Kramnik 1-0, Meier-Naiditsch 1-0, Adams-Baramidze 1-0 +++ Endstand : 1. Caruana 5,5, 2.-3. Leko, Meier je 4,0 4.-5. Naiditsch, Adams beide 3,5, 6. Ponomarjow 3,0 , 7. Kramnik 2,5, 8. Baramidze 2,0 +++ Der Italiener Fabiano Caruana gewinnt damit erstmals das Dortmunder Sparkassen-Chessmeeting +++